Das Stadtkino Belaria, ursprünglich als Bausatz POLA H0 167 erschienen, gehört zu den klassischen Gebäuden im H0-Modellbau. Viele Modellbahner kennen den markanten Bau mit seiner typischen Kinofassade. Auch heute ist der Bausatz bei Dioramenbauern und Sammlern noch gefragt, nicht zuletzt wegen seines charakteristischen Erscheinungsbildes.
Der Bausatz erschien ursprünglich bei Pola und gehört heute zum Faller-Programm. Viele Modellbauer kennen das Gebäude noch aus klassischen Modellbahnanlagen der 1970er und 1980er Jahre. Gerade wegen seiner typischen Kinofassade eignet sich das Modell gut für Umbauten und sogenannte Kitbash-Projekte.
Wie alle Gebäude in Kleinberge gehört auch dieses Modell zum Maßstab H0 (1:87), der im Modellbahn- und Dioramenbau besonders verbreitet ist.
Vor einiger Zeit hatte ich das Glück, mehrere originalverpackte Faller-/Pola-Bausätze zu bekommen – gewissermaßen für einen symbolischen Preis. Darunter befand sich auch erneut das Stadtkino Belaria.

Ein Problem gab es allerdings. Das Gebäude existiert in Kleinberge bereits. In meiner Version wurde aus dem ursprünglichen „Belaria“ ein Kino mit dem Namen „Alhambra“. Zwei identische Kinos in derselben Stadt oder sogar in derselben Straßenzeile hätten wenig Sinn ergeben.
Der Gedanke, den Bausatz einfach weiterzuverkaufen, lag zunächst nahe. Doch beim Betrachten der Einzelteile entstand eine andere Idee: Aus dem vorhandenen Gebäude etwas Neues entwickeln. Im Modellbau bezeichnet man solche Umbauten als Kitbash – ein Bausatz wird verändert, kombiniert oder neu interpretiert.
Beim Umbau wurden einige typische Elemente des ursprünglichen Kinos verändert. Die Beschriftung verschwand, Teile der Fassade wurden neu kombiniert und der Baukörper um einen kleinen Anbau erweitert. Solche Änderungen sind beim Kitbash oft entscheidend, weil sie einem bekannten Bausatz eine völlig neue Funktion geben können.

Aus dem Kino entstand so ein ehemaliges Kaufhaus mit dem Namen „Coop“. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an diese Marke. Doch auch dieses Geschäft blieb in der Geschichte von Kleinberge nicht dauerhaft bestehen. Mit den Jahren schloss das Kaufhaus, das Gebäude wurde später von einem Trödelladen genutzt und stand schließlich eine Zeit lang leer.
Irgendwann zog neues Leben ein. Aus dem alten Kaufhaus wurde die Diskothek „Firlefanz“.

Nebenan entwickelte sich eine etwas zwielichtigere Ecke der Stadt. Ein kleines Etablissement bietet „Unterhaltung“ für späte Herrenabende an – möglicherweise sogar eine Peep-Show. Die Details bleiben bewusst vage. Solche Orte gehören jedoch zu vielen Städten ebenso wie Marktplätze, Cafés oder Wohnhäuser. Gerade diese kleinen Brüche lassen eine Modellstadt glaubwürdiger wirken.
So bekam das ehemalige Kino schließlich noch einen Anbau und entwickelte sich zu einem Nachtclubkomplex, der einen leicht schrägen Kontrast zu den ruhigeren Straßen von Kleinberge bildet.

Insgesamt ist aus dem ursprünglichen Pola-Bausatz ein Gebäude entstanden, das zwar noch seine Herkunft erkennen lässt, aber eine ganz eigene Geschichte erzählt. Genau solche Umbauten machen für mich einen großen Reiz im Modellbau aus.

