Kleinberge ist mein Modellbauprojekt im Maßstab 1:87. Angefangen habe ich 2020. Seit 2023 baue ich deutlich regelmäßiger und intensiver daran.
Mich interessieren meist keine einzelnen Modelle, die sauber in der Vitrine stehen. Ich baue Hinterhöfe, Werkstätten, Stadtkanten und all die Ecken, die sonst kaum beachtet werden. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch mal eine schöne Straßenfront baue. Ein Haus gehört für mich nur nicht einfach auf eine Grundplatte. Es braucht eine Zufahrt, Nachbargebäude, Spuren seiner Nutzung und einen Grund, warum es genau dort steht.
Ein Bausatz ist deshalb erst einmal Material. Fenster, Dach und Fassade reichen noch nicht. Es kommt allerdings auch vor, dass mir ein Modell so gut gefällt, dass ich es weitgehend so baue, wie es ursprünglich gedacht war. Dann aber mit meiner Farbgebung und meinem Weathering. Meist zeigt sich erst beim Umbauen, Altern und Einpassen, dass etwas entsteht, das zu Kleinberge gehört.
Kleinberge ist keine Modellbahn
Gleise und Fahrbetrieb spielen hier keine Rolle. Nicht falsch verstehen: Ich mag Modellbahnanlagen und finde vieles daran toll. Als Kind hatte ich selbst eine auf einer Tischtennisplatte im Keller, die ich gemeinsam mit meinem Vater genutzt habe. Heute fehlt mir dafür der Platz. Und weil ich mehrere Hobbys und Interessen habe, wäre mir eine große Anlage am Ende auch schlicht zu teuer. Ich kenne mich: Dann möchte ich noch dieses und jenes haben.
Ich nutze den H0-Maßstab, weil sich damit auf überschaubarer Fläche ganze Straßenzüge, Hinterhöfe und Gewerbeecken bauen lassen. Außerdem gibt es eine große Auswahl an Gebäuden, Fahrzeugen, Figuren und Einzelteilen.
In Kleinberge muss nicht alles hübsch nebeneinanderstehen. Der Ort darf eng, verbaut und stellenweise unpraktisch sein. Hinter einem Wohnhaus kann eine kleine Werkstatt stehen. Daneben eine Garage, die irgendwann später angebaut wurde. Eine Mauer wurde ausgebessert, eine Tür zugemauert und über einem alten Schriftzug hängt längst ein neues Schild.
So sind viele Orte über Jahre gewachsen. Genau das möchte ich im Modell zeigen.
Immer wieder merke ich dabei, was ich alles nicht kann. Am Ende bin ich eben doch ein Anfänger, der durch Try and Error und Learning by Doing seinen Weg findet.
Ein Vorteil ist vielleicht, dass ich in meinen beiden Ausbildungen sowohl Handwerk als auch gestalterisches Arbeiten gelernt habe. Später war ich auf Baustellen unterwegs und habe auch als Polier gearbeitet. Ich weiß, wie Fassaden aufgebaut sind und wie sich verschiedene Materialien verhalten. Auch meine Arbeit im Design und in anderen kreativen Berufen hat mir für Kleinberge einiges gebracht.
Angefangen hat das mit dem Handwerk in den 1980er Jahren. Das kreative Arbeiten zieht sich seitdem durch mein Berufsleben. Vielleicht ist es deshalb nur folgerichtig, dass ich in Kleinberge überwiegend genau die Zeit zwischen etwa 1970 und 1990 nachempfinde.
Hinterhöfe
Hinterhöfe bieten für mich mehr Möglichkeiten als eine sauber aufgereihte Straßenfassade. Dort treffen Wohnhäuser, Anbauten, Garagen, Werkstätten und Mauern unmittelbar aufeinander. Mülltonnen stehen neben Fahrrädern und abgestelltem Material. Leitungen verlaufen sichtbar über die Wand. Dächer beginnen und enden auf unterschiedlichen Höhen.

Bei solchen Szenen achte ich darauf, dass sie praktisch funktionieren. So gut es geht und vor allem so, dass es für mich stimmig aussieht. Mülltonnen müssen erreichbar sein. Eine Garage braucht eine Zufahrt. Material vor einer Werkstatt sollte zu dem Betrieb passen. Eine Durchfahrt muss breit genug sein, damit dort tatsächlich ein Fahrzeug hindurchkäme.
Viele Kleinteile machen noch keinen guten Hinterhof. Wenn sie nur verteilt wurden, sieht man das. Sie müssen an einem Ort stehen, an dem man sie auch beim Vorbild erwarten würde. Ob ich das perfekt mache? Wahrscheinlich nicht. Vieles setze ich auch intuitiv.
Schmutz allein ist noch keine Patina
Ich mag matte Farben, abgegriffene Kanten, Rost, Staub und alte Reklame. Trotzdem wird ein Gebäude nicht einfach überall gleich verschmutzt.
Unter einer Regenrinne verändert sich die Wand anders als unter einem Vordach. Ölspuren gehören vor eine Werkstatt oder auf einen Stellplatz. An einer häufig benutzten Tür nutzt sich die Farbe an anderen Stellen ab als an einem Fensterladen. Auch Rost entsteht nicht wahllos auf jeder Metallfläche.
Oft reicht wenig. Ein ungleichmäßiger Anstrich, stumpfes Glas, eine ausgebesserte Fuge oder ein Fleck auf dem Asphalt können mehr bewirken als eine starke Alterung über das gesamte Modell.
Kleinberge soll benutzt und bewohnt aussehen. Es ist weder eine verlassene Ruinenstadt noch eine Hochglanzstadt aus Modellbauplastik. Das mochte ich noch nie.
Bausätze sind Ausgangsmaterial
Ein Bausatz wird bei mir selten genau so gebaut, wie er auf der Packung abgebildet ist. Fassaden werden geteilt, Dächer verändert und Anbauten versetzt. Manchmal verbinde ich Teile verschiedener Gebäude miteinander. Gerade die Rückseiten sind für Kleinberge oft interessanter als die fertig gestalteten Vorderseiten. Aus Resten entstehen neue Gebäude oder Anbauten.
Dabei muss nicht jedes Modell bis zur Unkenntlichkeit verändert werden. Manchmal reichen ein anderes Tor, ein zugemauertes Fenster oder ein kleiner Schuppen. Schon wirkt das Gebäude weniger wie ein fertiger Bausatz.
Wichtig ist, dass die Häuser miteinander funktionieren. Am Ende soll es nicht nach mehreren nebeneinandergestellten Modellen aussehen.
Zeit und Maßstab
Kleinberge orientiert sich zeitlich vor allem an den Nachkriegsjahrzehnten in Westdeutschland und West-Berlin bis hinein in die 1980er Jahre. Dieser Rahmen betrifft nicht nur die Fahrzeuge. Straßenschilder, Werbung, Schriftzüge, Lampen, Mülltonnen, Kleidung und Baumaterialien müssen ebenfalls passen.
Deshalb schaue ich mir Vorbilder und alte Fotos genau an. Wenn ein Schild, eine Werbung oder ein Zubehörteil zu modern ist, bleibt es draußen. Wobei ich dabei auch mal ein Auge zudrücke. So akribisch bin ich nicht. Wenn mir etwas gefällt und es für mich passt, kommt es rein.
Auch der Maßstab setzt Grenzen. Ein zu großes Schild, eine zu hohe Bordsteinkante oder ein viel zu breites Geländer fallen sofort auf. Da muss ich selbst noch öfter ran, weil ich bei solchen Details manchmal eher unperfekt arbeite. Kleine Dinge lassen sich im Maßstab 1:87 außerdem kaum noch lesen. Nachmessen kann man, aber manchmal braucht es eben einen Kompromiss.

Darum prüfe ich Größen und Abstände inzwischen öfter nach. Wenn ein Teil deutlich zu groß ist, lasse ich es lieber weg. Ganz ohne Kompromisse geht es trotzdem nicht.
Eine erfundene Stadt
Kleinberge ist kein verkleinerter Nachbau einer bestimmten Stadt. Der Ort ist erfunden. Er setzt sich aus Vorbildern, Fotos, Erinnerungen aus meiner Kindheit und eigenen Ideen zusammen.
Mit der Zeit sind Straßennamen, Werkstätten, Läden und Bewohner dazugekommen. Nicht alles davon steht vorher fest. Manchmal führt ein altes Schild zu einem neuen Betrieb. Ein Gebäude erklärt, warum daneben später ein Anbau entstanden ist. Aus einer kleinen Szene entwickelt sich ein weiterer Teil der Stadtgeschichte.
So wächst Kleinberge nicht nur auf der Grundplatte. Auch der Ort selbst bekommt nach und nach seine Geschichte.
Weiterbauen
Kleinberge wird nicht fertig. Manche Szenen sind groß und brauchen Monate. Andere bestehen nur aus einer Mauer, einem Tor und einem Stück Asphalt. Beides gehört zum selben Ort.
Seit 2023 nimmt Kleinberge deutlich mehr Raum auf meinem Arbeitstisch ein. Auf dieser Seite zeige ich die einzelnen Bauabschnitte, Materialien, Umbauten und auch Dinge, die nicht auf Anhieb funktioniert haben. Das sind keine allgemeingültigen Anleitungen. Ich zeige es so, wie es bei mir auf dem Arbeitstisch entsteht.

Auf Instagram zeige ich meist die fertigen Dinge. Dort folgen mir inzwischen einige Leute, und der Austausch ist wirklich prima.
Ich baue keine Modelle. Ich baue Orte.

